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Die Welt ist eine Google

"Street View" in München Google is watching you

In der Öffentlichkeit geknipst zu werden, ist nicht jedermanns Sache. Wer wird etwa schon gerne vor einem Sexshop gesehen? Zumal die Bilder ruckzuck im Web landen können. Die Möglichkeit besteht neuerdings auch, wenn eine Kamera von Google vorbeifährt - wie aktuell in München. "Street View" heißt das Projekt, das alle Straßen inklusive Passanten detailgenau erfasst. Datenschützer sind hellhörig.

 

Google Street View Foto Auto

Faszinierend ist es schon, mit Google aus der Vogelperspektive virtuelle Ausflüge in alle Welt zu unternehmen: mit ein paar Klicks über die Häuserschluchten von Manhattan fliegen oder über die Wüste Gobi. Doch der Internet-Gigant will mehr. Was in 40 US-Städten schon läuft, wird aktuell auch für Berlin, Frankfurt und München vorbereitet: eine Erweiterung des Stadtplan-Programms Google Maps durch das Feature "Street View". Internetnutzer können so nicht mehr nur gezielt auf einzelne Punkte zoomen oder Strecken abfliegen, sondern virtuell auf Straßenebene durch die Häuserzeilen wandern.

Dunkle Kleinwagen mit Aufbau

 
"Street-View"-Fahrzeug von Google

Bildunterschrift: "Street-View"-Fahrzeug

Zu diesem Zweck hat Google vergangene Woche damit begonnen, sämtliche Straßen innerhalb der Münchner Stadtgrenzen abzufotografieren. Dunkle Kleinwagen, denen ein mehr als ein Meter hoher Kamerabaum aus dem Dach ragt, rollen die Straßen entlang. Eine spezielle 360-Grad-Kamera nimmt die Umgebung dabei von allen Seiten auf.  Wie viele dieser Wagen derzeit in der bayerischen Landeshauptstadt unterwegs sind, möchte Google Deutschland nicht verraten. Auch nicht, was die Aktion kostet.

 
Google Street View Foto Auto

Die Polizei ist wenig begeistert, warnt vor Missbrauch der Bilder durch Gangster, kann aber nichts gegen die Aufnahmen unternehmen. Die Meinung der Bürger ist geteilt. Henning Pfeifer über Googles Aktionen in München. [

Gestochen scharfe Bilder

 
Zitat
"Es geht darum, sich Gebäude und Häuser einer Straße anzuschauen. Es geht nicht darum zu sagen: Guck mal, da geht der Peter Müller über die Straße."
(Google-Sprecher Stefan Keuchel am 10.7. in Bayern 1)

Google tut das alles in bester Absicht. Damit man etwa vor dem Besuch einer fremden Stadt schon mal die Umgebung des Hotels erkunden kann, so Sprecher Stefan Keuchel gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Doch die User können sich im Netz nicht nur einzelne Ecken und Gebäude rundum anschauen. Geparkte Autos und zufällig daherspazierende Passanten kommen zwangsläufig gestochen scharf mit drauf. Genau deshalb hat das Projekt nicht nur Fans, sondern auch Kritiker aus den Reihen der Datenschützer.

Gesichter nach Protesten unkenntlich gemacht

 
So sieht's aus:
Am Beispiel mehrerer US-Städte kann man sich einen Eindruck machen, wie die Aufnahmen aussehen ("Steet View"-Button über der Karte anklicken).
 

Street-View in den USA  [maps.google.com]

Auf den US-Stadtplänen, die seit etwa einem Jahr im Netz sind,  waren die Gesichter der Passanten zum Start des Features noch erkennbar. Mit europäischem Recht wäre das Programm so nicht vereinbar, erklärte der EU-Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx. Inzwischen sind Gesichter und Nummernschilder unkenntlich. Allerdings mussten sich dafür erst Betroffene in den USA beschweren. Auch für die deutschen Städten setzt Google eine "Face Blurring"-Technik ein, die Gesichter und Nummernschilder unkenntlich macht.

Datenschützer uneins

Das reicht nicht, findet der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert. Das Ablichten ganzer Straßenzüge komme einer Auskunftdatei über die Wohnverhältnisse gleich. Diebe könnten Objekte auskundschaften und Versicherungen oder Auskunftsdateien anhand der Wohnlage (potenzielle) Kunden taxieren.

 
Zitat
"Die Kamera ist nicht gezielt auf Personen gerichtet. Sie geraten nur drauf, weil sie zufällig an einem bestimmten Ort sind. (...) Aber kann ich als Datenschützer etwas verteufeln, nur weil einer von 1.000 Personen sich ertappt fühlt?"
(Hartmut Lubomierski im Interview mit der Online-Ausgabe des "Südkurier" vom 28.5. 2008)

Sein Hamburger Kollege Hartmut Lubomierski beurteilt das Projekt gelassener. Er sieht keinen Grund gegen die Aufnahmen vorzugehen, da kein schwerer Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte vorliege. Die meisten Leute fänden es zudem lustig, sich auf derartigen Bildern im Netz zu entdecken. Dauerhaft installierte Videokameras oder Webcams seien dagegen wesentlich bedenklicher, weil sie auch Datum und Uhrzeit mit ausweisen. Nicht einmal das Unkenntlich machen von Gesichtern und Kfz-Schildern hält er für datenschutzrechtlich unbedingt notwendig.

 
Die Rechtslage
Der Gesetzgeber kann der rasanten Entwicklung des Internets kaum folgen. Entsprechend widersprüchliche Aussagen kann man von Experten bekommen. Ist das, was Google macht, nun rechtlich zulässig oder nicht? Können sich die Abgebildeten gegen die Aufnahmen im WWW wehren? Maßgeblich sind für "Street View" zum einen das Recht am eigenen Bild und zum anderen das Bundesdatenschutzgesetz. Günther Dorn, Leiter der Bayerischen Datenschutzaufsichtsbehörde für den nicht-öffentlichen Bereich, gibt einen Einblick in die Rechtslage.

"Bei Straßenszenen handelt es sich um allgemein zugängliche Daten. Das heißt aber nicht, dass Straßenaufnahmen auch allgemein veröffentlicht werden dürfen. Dies ist stets eine Abwägungsfrage zwischen den schutzwürdigen Interessen der von der Abbildung Betroffenen und des Unternehmens (Google). Eindeutig ist die Sache, wenn personenbezogene Daten (sprich: Daten, die Rückschlüsse auf persönliche oder sachliche Verhältnisse von Personen zulassen), ins Spiel kommen:  zum Beispiel Gesichter Kfz-Kennzeichen oder Haunummern. Dann ist den schutzwürdigen Interessen des Betroffenen in jedem Fall Vorrang einzuräumen. Diese Aufnahmen wären also unzulässig. Im Übrigen sehe ich kein Problem."

 

Reine Schönwetter-Aktion

Wann man München auf diese Weise im Netz betrachten kann, ist noch unklar. Die Aufnahme-Wagen sind nur bei schönem Wetter unterwegs. Regentropfen auf der Linse würden die Bilder verwässern. Außerdem soll die Stadtrundfahrt am Ende möglichst einheitlich wirken. Und drittens sind einer Stadt wie München Tausende Straßen zu durchfahren, und das dauert.

 

 

 

 

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